BERLIN – Das deutsche Außenministerium hat am Donnerstag den türkischen Botschafter in Berlin wegen der fragwürdigen Geste des türkischen Vertreters Merih Demiral während des EM-Spiels gegen Österreich einbestellt. Die Agentur DPA und die Zeitung The Guardian geben Auskunft.
Der türkische Verteidiger Demiral feierte sein zweites Tor beim Achtelfinalsieg am Dienstag gegen Österreich mit einer Geste, die als Wolfsgruß bekannt ist. Er wird mit der rechtsextremen türkischen Bewegung „Graue Wölfe“ in Verbindung gebracht, die ihrerseits mit der Partei der Nationalen Bewegung (MHP) verbunden ist. Die Grauen Wölfe würden als rechtsextreme Gruppe beschrieben und hätten zwischen 18.500 und 20.000 Mitglieder, schreibt The Guardian und verweist dabei auf das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das diese Organisation seit langem beobachtet. Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser, andere Politiker und Menschenrechtsgruppen verurteilten Demirals Vorgehen verbal. Die Union Europäischer Fußballverbände (UEFA) erklärte am Mittwoch, sie untersuche ein mögliches Fehlverhalten des Torhüters.
Die Türkei wiederum berief den deutschen Botschafter ein. Unterdessen berichtete Reuters unter Berufung auf die deutsche Zeitung Bild, dass die UEFA Demiral für die nächsten beiden Spiele der EURO 2024 gesperrt habe. Er werde im Viertelfinale am Samstag nicht gegen die Niederlande spielen und auch das mögliche Halbfinale verpassen. Abschlussbesprechung. Nach dem Match führte Demiral die Geste auf seine türkische Identität zurück und fügte hinzu, dass sie keine versteckten Botschaften enthalte. „Ich habe Leute im Stadion gesehen, die diese Geste machten. Wir sind alle Türken. Ich bin sehr stolz, Türke zu sein, und das ist der Grund für diese Geste.“ er sagte. MHP-Chef Devlet Bahceli bezeichnete die UEFA-Untersuchung als Provokation, während das türkische Außenministerium sie als inakzeptabel und die Reaktionen der deutschen Behörden als fremdenfeindlich bezeichnete.
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